Früher Moseltourismus.

Die Entdeckung der malerischen Mosel.

Ansicht auf Dr. Bärbel Schulte im Stadtmuseum Simeonstift in Trier.

VON DR. BÄRBEL SCHULTE:

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Moselregion – und das schon seit rund 200 Jahren! Auch die Vorstellung des romantischen und weinseligen Moseltals hat seinen Ursprung im frühen 19. Jahrhundert, als vor allem englische Maler der Region ein künstlerisches Denkmal setzten.


Für die Söhne des europäischen Adels bildete die sogenannte „Grand Tour“ als politische, moralische und kulturelle Bildungsreise einen festen Bestandteil ihrer Ausbildung. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Bürgertums zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zunehmend auch die Sprösslinge der gehobenen Bürgerschicht auf Tour geschickt. Vorreiter waren hier die früh industrialisierten Engländer.

Die Themen Politik, Kultur und Moral rückten für die jungen Menschen im Zeitalter der Romantik allerdings allmählich in den Hintergrund zugunsten des intensiven Erlebens der Naturschönheit und des Sammelns möglichst vieler pittoresker Eindrücke. War es zunächst der Rhein, der besonders viele Reisende anzog, wurde ab 1815/20 auch die Mosel als „liebliche Tochter“ des Rheins entdeckt.
 

Ansicht auf Clarkson Frederick Stanfields Titelblatt der Mappe Sketches on the Moselle, the Rhine & the Meuse, 1838

Da solche Reisen von langer Hand vorbereitet und geplant werden mussten, kam den Landschaftsmalern eine besondere Bedeutung zu: Sie wirkten quasi als „Influencer“ und lieferten die Bilder von Landschaften und Orten, die als besonders lieblich, pittoresk oder erhaben galten, als „must-sees“ in Ansichtenmappen und Reiseführern.
Noch bevor es die Fotografie gab, gaben die Künstler vor, welches der „richtige“ Blick war und erzeugten damit Bildmuster, die bis heute nachwirken. William Turner oder Clarkson Stanfield, aber auch Johann Anton Ramboux oder Christoph Hawich, um nur die bekanntesten zu nennen, schufen ganze Serien von graphischen Ansichten, die als Mappenwerke nicht nur der Vor- und Nachbereitung von Moselreisen, sondern auch als Erinnerung und Souvenir dienten und sehr guten Absatz fanden (bis 1850 erschienen insgesamt
26 unterschiedliche Ansichtenmappen!).
 

Ansicht auf ein Service mit Trier-Ansichten, Porzellanmanufaktur Trier, Anfang 19. Jahrhundert.

Der zunehmende Tourismus befeuerte die heimische Wirtschaft; das Souvenirgeschäft boomte, davon konnte auch noch die Trierer Porzellanmanufaktur eine Weile profitieren. Hier wurden kostbare Tassen, Schüsseln und Vasen hergestellt, die unter anderem mit Ansichten Triers und der Umgebung, vor allem aber der Trierer Antiken bemalt waren. Eine repräsentative Auswahl dieses exklusiven Porzellans ist neben besonders qualitätvollen Moselansichten im Stadtmuseum
Simeonstift
zu sehen.

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