Moselblümchen

Ursprung und Tradition der regionalen Tracht

„Moselblümchen“ – das ist wirklich eine nette Bezeichnung für eine regionale Tracht. Und dabei erinnert sie gar nicht an eine Blume, sondern besteht – wie ein Dirndl - aus Rock, Mieder, Bluse, Schürze und Halstuch. Du kannst sie bei den regionalen Weinfesten überall sehen. Meist hat das Moselblümchen die Farben Grün, Weiß, Schwarz und Rot, was eine besondere Bedeutung hat:
Grün symbolisiert den Rieslingwein und findet sich im Rock wieder. Bluse und Schürze sind weiß, was für die Reinheit des Moselweins steht. Das Schwarz des Mieders symbolisiert den typischen Moselschiefer, auf dem die meisten Reben an der Mosel wachsen. Dazu trägt „frau“ ein rotes Schultertuch.

Wobei wir auch schon gleich bei seiner Entstehungsgeschichte sind: Das „Moselblümchen“ sieht man um 1886 wohl zum ersten Mal auf einem Gemälde von Josef Lieck (*1849, +1914), einem preußischen Maler gefälliger Motive. Kunst oder Kitsch – darüber lässt sich streiten. Auf jeden Fall ist das Bild inzwischen „Kult“ und ziert sogar ein exklusives wie modernes Moselblümchen der Modedesignerin Dorothe Follmann.
 

Moderne Moseltracht

designed by Dorothe Follmann

Moderne Moseltracht

designed by Dorothe Follmann

Winzerumzug

Weinfest der Mittelmosel, Bernkastel-Kues

Liecks junge Frau mit schwarzem Mieder, weißer Bluse und rotem Schultertuch soll nicht etwa eine hübsche Trachtenmaid darstellen, sondern personifiziert den lieblichen Moselwein, der damals sehr beliebt war. Auf dem Kopf trägt sie buntes Weinlaub und prostet dem Betrachter zu. „Moselblümchen“ ist auch eine alte Weinmarke: Lieblich und als „Landwein“ von eher geringer Qualität, verkörpert sie genau das, was heute dem weltweit hohen Ansehen der Mosel bei Weinkennern überhaupt nicht entspricht. Aber egal. Auch wenn die jungen und selbstbewussten Moselwinzerinnen und Moselwinzer kein flüssiges Moselblümchen mehr ausschenken: Die Tracht gehört für sie einfach zur Wein– und Tourismusregion und verkörpert regionale Identität, Tradition und Selbstbewusstsein.
 

Darstellung „Preussen an der Mosel“ – Moseltrachten, eine Original-Chrom-Farblithografie von Albert Kretschmer, um 1870.

Von „Moseltracht“ kann man beim Moselblümchen eigentlich nicht reden, wenn man damit eine traditionelle ländliche Bekleidung meint, die auf die alte feudale Ständeordnung aus der Zeit vor Napoleon Bonaparte zurück geht – also eine für den Winzerstand vorgeschriebene traditionelle Gewandung bezeichnen will. Die Mosellaner waren heilfroh, dass sie mit der alten Ständeordnung auch gleich den ständegebundenen Kleiderzwang los waren, wie ausgeprägt er auch immer war. Moderne Bekleidung nach neuester Mode war städtisch, symbolisierte Status und war daher für die Landbevölkerung sehr verlockend! Selbstbewusst kombinierte sie moderne Stoffe und Schnitte à la mode mit traditionellen Trachtenelementen. Das siehst du recht gut auf der alten Farblithografie von Albert Kretschmer („Preussen an der Mosel“ – Moseltrachten, Original-Chrom-Farblithografie von Albert Kretschmer, um 1870).


Ende des 19. Jahrhunderts kam der Trend auf, die alte Bekleidung gegen leichtere und schlichtere Gewänder zu tauschen. Gleichzeit erhielt eine alte Sehnsucht frischen Auftrieb: der Wunsch nach einer Art regionaltypischem Nationalgewand. Das Moselblümchen traf dabei genau den Nerv der Zeit und etablierte sich schnell als kultiges „Dirndl“ für Frauen und Mädchen von der Mosel. Rund 140 Jahre später ist es immer noch im Trend, vielleicht sogar mehr denn je, denn im Zeitalter der Globalisierung scheinen sich die Menschen besonders stark nach einer regionalen Identität zu sehnen.
 

Der blaue Winzerkittel der Männer und Jungs ist im Gegensatz zum Moselblümchen tatsächlich ein Kleidungsstück uralter Winzertradition - ein Arbeitskittel, den man(n) wohl zum Schutz über der Alltagskleidung trug.

Wie in anderen Teilen Deutschlands gab es auch an der Mosel gebildete Bürger, die Anfang des 19. Jahrhunderts alte Kleidungsstücke und Accessoires aus der Tradition des feudalen Ständewesens sammelten. Diese sind heute in Museen zu sehen.

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