Trierer Dom und Liebfrauenkirche.

Macht und Mystik


Der Trierer Dom ist bereits seit der Zeit des römischen Kaisers Konstantin eine Bischofskirche. Schon um 270 nach Christi Geburt gab es eine Christengemeinde, und Reste ihrer Hauskirche sind heute in der Ausgrabungsstätte unter der Dom-Information zu sehen. Sie war die Keimzelle für eine der größten Kirchenanlage zu römischer Zeit. Was für ein fulminanter Wandel vom kleinen Gotteshaus einer verfolgten religiösen Minderheit zu einem solch repräsentativen Großbau, der einer Kaiserresidenz würdig war! Und ein steinernes Zeugnis dafür, welche Bedeutung die Trierer Kaiser dem Christentum beimaßen. Der Bau war viel größer als der heutige Dom und die Liebfrauenkirche zusammengenommen und reichte bis zum heutigen Hauptmarkt. Der Palastbezirk war ganz in der Nähe.

Wenn du genau hinsiehst, erkennst du noch das kaiserliche Erbe in der Architektur des Domes. Da sind zum einen die römischen Mauern des Kernbaus, die du sehr gut von der Windstraße direkt neben dem Dom sehen kannst. Oder der Domstein vor dem Westportal, das Bruchstück einer antiken Granitsäule. Generationen von Kindern sind schon darauf herumgerutscht. Wenn du dann durch das Portal eintrittst, siehst du sofort auf den Altarraum mit dem Bischofsitz (der Kathedra) und die Heilig-Rock-Kapelle erhöht dahinter. Es ist belegt, dass durch seine neue Funktion im Römischen Reich vieles aus dem antiken Kaiserkult ins Christentum eingeflossen ist. Christus erscheint in der gleichen Symbolik wie der Kaiser und der Sonnengott Sol und trägt zum Beispiel seinen Nimbus (den Heiligenschein). Der Bischof gilt als sein Stellvertreter. Die Kathedra ist folglich wie ein Thron gestaltet. Christi Thron ist der Altar und befindet sich auf einem Podest erhöht in der Apsis. Die Priester und Diakone umstehen bei der Weihehandlung den Altar wie früher die engsten Gefolgsleute den Kaiser.

Die Liebfrauenkirche gleich neben dem Dom hat einen völlig anderen Charakter: Als die antiken Mauern baufällig wurden, begann man im Mittelalter mit dem Bau einer neuen Kirche im Baustil der Gotik, einer damals ganz modernen und revolutionären Architektur, die in Frankreich ihren Ursprung hatte. Himmelwärts strebend, offen und hell sollten nun die Gotteshäuser sein. War für die Gebäudekonstruktion früher noch massives Mauerwerk notwendig, wurden die Außenmauern nun aufgebrochen und mit großen Fensterflächen durchsetzt – eine technische Meisterleistung zur damaligen Zeit! Die Gotik entsprach ganz dem Geist der Zeit, in der die persönliche Zwiesprache des Einzelnen mit Gott stark in den Vordergrund rückte. Die schlanken Mauern streben - sozusagen - wie die Seele zu Gott. In der mittelalterlichen Mystik fand diese tiefe und sehr persönliche Ausrichtung zu Gott einen ganz besonderen Ausdruck.
Der Grundriss der Trierer Liebfrauenkirche ist einer Rose nachempfunden – der sog. Rosa Mystica, einem Symbol für die Gottesmutter Maria, der die Kirche geweiht ist. Fertig gestellt wurde das Gotteshaus circa 1260. Am Bau beteiligt waren Baumeister und Künstler aus der Champagne und der Île de France. Die Liebfrauenkirche zählt wie der Dom zum Welterbe der UNESCO und gilt zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg als älteste gotische Kirche in Deutschland. Sie stellt den bedeutendsten und frühesten gotische Zentralbau des Landes dar.

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